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Die Wärmewende gelingt nur gemeinsam – mit einem klugen Mix aus erneuerbaren Energien.

Die Wärmewende gilt als eine der größten Herausforderungen für den Klimaschutz in Deutschland. Der aktuelle Bericht des Expertenrats für Klimafragen zeigt erneut, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen werden, um die Klimaziele zuverlässig zu erreichen. Vor allem im Gebäudesektor besteht dringender Handlungsbedarf. Gleichzeitig wird deutlich: Die Energiewende braucht einen intelligenten Mix aus erneuerbaren Energien. Welche Rolle grüne Fernwärme aus nachhaltiger Biomasse dabei spielen kann, erklärt Gino Otten, Bereichsleiter Fernwärme bei Forte Energie in Cuxhaven, der Betreiber-Firma des Biomasse-Kraftwerkes vor Ort.

Herr Otten, der Expertenrat für Klimafragen warnt aktuell davor, dass Deutschland seine Klimaziele verfehlen könnte. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Die Warnungen des Expertenrats müssen sehr ernst genommen werden. Vor allem im Gebäude- und Wärmesektor besteht weiterhin großer Handlungsbedarf. Der Rat macht deutlich, dass die aktuellen Maßnahmen nicht ausreichen werden, um die Klimaziele zu erreichen. Besonders kritisch sehen die Experten die Änderungen beim geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz, weil dadurch der Umstieg auf klimafreundliche Wärmeversorgung verlangsamt werden könnte. Deshalb brauchen wir jetzt technologieoffene Lösungen und vor allem einen intelligenten Mix erneuerbarer Energien. Genau hier spielt grüne Fernwärme eine wichtige Rolle. Sie ermöglicht es, viele Gebäude gleichzeitig klimafreundlich zu versorgen – effizient, zuverlässig und nachhaltig.

 

Welche Bedeutung hat Biomasse als nachhaltiger Energieträger für das Gelingen der Wärmewende?

Biomasse ist ein wichtiger Bestandteil der Wärmewende, weil sie grundlastfähig ist und unabhängig von Wetterbedingungen zuverlässig Energie liefert. Gerade im Wärmesektor brauchen wir Lösungen, die rund um die Uhr verfügbar sind. Biomasse ergänzt daher andere erneuerbare Energien wie Wind- und Solarenergie ideal. Bei Forte Energie setzen wir auf nachhaltige Biomasse aus regionalen Rest- und Landschaftspflegehölzern sowie zertifizierter Forstwirtschaft. Diese Rohstoffe wachsen nach und ersetzen fossile Energieträger wie Gas oder Öl. Dadurch leisten wir einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz und zur Versorgungssicherheit. Gleichzeitig stärken wir regionale Wertschöpfungsketten und reduzieren die Abhängigkeit von Energieimporten.

Holzenergie steht immer wieder in der Diskussion. Welche Vorteile bietet sie aus Ihrer Sicht für die Energiewende?

Holzenergie ist ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen und regionalen Energieversorgung. Entscheidend ist dabei, dass wir keine hochwertigen Stammhölzer verbrennen, sondern überwiegend Rest- und Landschaftspflegehölzer nutzen. Dadurch entsteht ein geschlossener und nachhaltiger Kreislauf. Oft wird in den Diskussionen vergessen, dass der deutsche Wald jedes Jahr um rund 100 Millionen Kubikmeter Holz wächst. Davon werden lediglich etwa 60 Prozent genutzt und wiederum nur ein vergleichsweise kleiner Teil davon wird tatsächlich energetisch verwertet. Der überwiegende Anteil fließt in die Holz- und Baustoffindustrie. Für die Energiegewinnung werden vor allem besagte Reststoffe eingesetzt, die für andere Anwendungen nicht geeignet sind. Ein großer Vorteil von Holzenergie ist ihre CO₂-Neutralität im Rahmen des natürlichen Kohlenstoffkreislaufs. Das bedeutet: Bei der energetischen Nutzung wird nur so viel CO₂ freigesetzt, wie der Baum zuvor während seines Wachstums aufgenommen hat. Gleichzeitig ersetzt Holzenergie fossile Energieträger wie Kohle oder Erdgas und trägt damit aktiv zum Klimaschutz bei. Hinzu kommt der regionale Aspekt: Holz als Energieträger ist verfügbar, speicherbar und unabhängig von internationalen Krisen oder Importen. Gerade in Kombination mit grüner Fernwärme sorgt das für Versorgungssicherheit und stabile Energieversorgung. Deshalb sehen wir Holzenergie nicht als Konkurrenz zu anderen erneuerbaren Energien, sondern als wichtigen Baustein innerhalb eines ausgewogenen Energiemixes.

Kritiker sagen, dass Deutschland sich bei der Wärmewende zu stark auf einzelne Technologien konzentriert. Brauchen wir mehr Vielfalt?

Absolut. Die Energiewende funktioniert nur mit einem ausgewogenen Energiemix. Wärmepumpen, Solarthermie, Windenergie, Biomasse und grüne Fernwärme müssen zusammengedacht werden. Der Expertenrat kritisiert ja gerade, dass Deutschland im Gebäudesektor nicht schnell genug vorankommt. Das zeigt: Wir dürfen uns nicht auf eine einzige Lösung verlassen. Grüne Fernwärme bietet hier enorme Vorteile, weil sie flexibel unterschiedliche erneuerbare Energiequellen integrieren kann. Biomasse kann dabei eine stabile Basis liefern, während andere erneuerbare Energien wie beispielsweise eine Meerwasserwärmepumpe bei uns in Cuxhaven ergänzend eingebunden werden. Genau dieser Mix macht das System resilient und klimafreundlich.

 

Warum ist grüne Fernwärme aus Ihrer Sicht besonders nachhaltig?

Grüne Fernwärme ermöglicht eine sehr effiziente Nutzung von Energie, insbesondere durch Kraft-Wärme-Kopplung. Ein weiterer Vorteil: Fernwärme spart Platz, da keine eigene Heizung notwendig ist, sondern nur eine kleine Übergabestation. Das reduziert lokale Emissionen und entlastet Verbraucherinnen und Verbraucher von aufwendigen Einzellösungen.

 

Was wünschen Sie sich von der Politik, damit die Wärmewende gelingt?

Wir brauchen vor allem Verlässlichkeit und technologieoffene Rahmenbedingungen. Die Diskussion um das Gebäudemodernisierungsgesetz sorgt derzeit für Unsicherheit. Dabei brauchen Kommunen, Unternehmen und Verbraucher Planungssicherheit für langfristige Investitionen. Wichtig ist außerdem, dass nachhaltige Fernwärme stärker berücksichtigt wird. Erneuerbare Biomasse, grüne Fernwärmenetze und regionale Energieversorgung können einen entscheidenden Beitrag leisten, damit Deutschland seine Klimaziele doch noch erreicht. Die Wärmewende gelingt nur gemeinsam – mit einem klugen Mix aus erneuerbaren Energien, moderner Infrastruktur und pragmatischen Lösungen.

Gino Otten, Bereichsleiter Fernwärme bei Forte Energie
Gino Otten, Bereichsleiter Fernwärme bei Forte Energie